Fohlenhof – Zur schönen Aussicht – Reiterweg – Pentling

Vom Schwalbennest aus bleiben wir noch auf der Donautalstraße, wählen einen Steig vorbei am Alkoferhof und Fohlenhof. Hier wurden ab 1924 Pferde für das Gut Königswiesen gezüchtet. – Vom Fohlenhof führt südwärts ein nicht markierter Pfad „Zur schönen Aussicht“ bis zum Reiterweg. Hier sind zwei Weinberge angelegt (vom Weichslmühlweg aus einsehbar). Im Mittelalter war der Wein (nicht das Bier) Hauptgetränk der Baiern („Baierwein“). Weinberge zierten die Hanglagen der Donau und ihrer Nebenflüsse. Der 30jährige Krieg, klimatische Veränderungen und der Siegeszug des Bieres (Bayerisches Reinheitsgebot 1516) ließen den Weinbau in Bayern zurückgehen. – Wir biegen rechts ab in die Schulstraße und kommen am Alten Schulhaus vorbei, das 1904/05 erbaut wurde. Bis 1973 gingen die Pentlinger und Graßer Kinder hier zur Schule (dann nach Großberg). Das Gebäude diente bis 2004 als Rathaus. Die ehemalige Pentlinger Burg (um 1311) stand wahrscheinlich dort, wo sich heute das alte Rathaus und die Kirche befinden. – Die Papstkirche St. Johannes ist gut 500 Jahre alt. Sie ist dreimal umgebaut bzw. erweitert worden. Der Staffelgiebel des Turmes kommt in unserer Gegend selten vor. Unsere Wanderung geht weiter zum Alten Tor, das wahrscheinlich noch ein Überrest des alten von den Emmeramer Äbten erbauten Schlosses ist.

Pentling, Ortsmitte – Prüfeninger Weg – Friedhof

Weiter geht es zu der sagenumwobenen Rundkapelle, eine Weg- und Votivkapelle, erbaut 1649. „Votiv“ heißt „auf Grund eines Versprechens“. Ein Jahr vorher endete der 30-jährige Krieg. Nach diesem Krieg lebten im Dorfe Pentling nur noch zwölf Personen. Im Innern der Kapelle sehen wir ein Renais- sancealtärchen mit einer kleinen Holzstatue der Maria mit dem Kinde auf dem rechten Arm. Die Figur stammt aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Beachtung verdienen auch die Schnitzereien „Christus an der Geiselsäule“ und „Christus in der Rast“. Auf der anderen Straßenseite gegenüber steht das „Schöne Wirths-Hauß“ (Hauptstraße 2), das zwischen 1720 und 1725 erbaut wurde. An der Westseite des Gebäudes sehen wir an einem Erker das Wappen des Emmeramer Fürstabtes Godin d’Ampezzo. In diesem Haus wurde auch der bedeu- tende Historiker und Bibliothekar Georg Maurus Ganders- hofer (1780 – 1843) geboren. Von 1890 bis 1904 war im Wirtshaus auch die Schule untergebracht. – Wir gehen weiter nordwärts entlang des markierten Donau-Panoramawegs (stilisiertes D auf blauer Donauwelle bzw. rotes Rechteck auf weißem Grund) Richtung Friedhof über den Prüfeninger Weg. Pentling gehörte von 1803 bis 1943 zur Pfarrei Prüfening (vor- her Dechbetten). Auch die zuständige Poststelle war dort. – Der Friedhof wurde 1987 am nördlichen Waldrand von Pentling wie ein Park angelegt, wobei man darauf achtete, dass heimische Gehölze gepflanzt wurden und auch Grabmale und Gräber stilvoll gestaltet werden. Westlich von der Steinkanzel wurde 2017 der Seelensteig eröffnet, ein „Weg des Kraftschöpfens und des Besinnens über das Leben“. – Wir gehen jetzt noch ca. 300 m auf dem Donau-Panoramaweg, folgen ihm aber nicht links ab ins Tal, sondern bleiben geradeaus für ca. 300 m auf einem nicht markierten Feldweg bzw. Gangsteig bis zum Beginn eines Waldstücks. Vor uns liegt die Flur „Am Kohlenschacht“, weil hier im 19. Jahrhundert Braunkohle geschürft wurde.

Drachenschlucht/Wolfsschlucht – Brunntal – Schierstatt

Hier beginnt der Einstieg zur „Drachenschlucht“, manchmal auch als „Wolfsschlucht“ bezeichnet, ein wildromantisches Tal von ungefähr 500 m Länge; der Name will das Unheimlich- Schauerliche und Gefährliche dieses Ortes ausdrücken. Aus Sicherheitsgründen sollte man besser nicht bis zur Sohle hinabsteigen, sondern den parallellaufenden Höhenweg auf der Südseite benutzen. Bei dieser Schlucht handelt es sich um eine „Erosionsrinne“, d.h. in Jahrmillionen wurden Sande und Verwitterungsschutt vom Wasser auf seinem Weg ins Donautal abgetragen. – Am Ausgang der Schlucht (wieder auf dem Donau-Panoramaweg) befinden wir uns in der Flur „Brunntal“ bzw. „Schierstatt“ (d.h. Stätte, an der man Zugtiere angeschirrt hat). Aus dem Jahr 981 haben wir eine Urkunde, in der der Jude Samuel die Schierstatt an das Kloster St. Emmeram verkauft. Das ist auch der älteste Beleg für eine jüdische Ansiedlung in Bayern (bis vor kurzem hat man die Urkunde noch in Stadtamhof verortet). Der erste Friedhof der Regensburger Juden soll sich hier in der Nähe befunden haben. Im Mittelalter waren im Brunntal sechs Weingärten; das lassen die Terrassen an den Südwesthängen noch erahnen.

Hoppefelsen im Naturschutzgebiet Max-Schultze-Steig

Hoppefelsen/Schutzfelsen – Max-Schultze-Steig 

Wir folgen jetzt wieder dem Donau-Panoramaweg, besteigen für eine kurze Rast mit Ausblick ins Donautal den Hoppefelsen/Schutzfelsen (darüber später noch) und wandern auf dem Max-Schultze-Steig Richtung Norden bis zum Schwalbennest. Der ganze Steig ist ein gut zwei Kilometer langes und bis zu 300 Meter breites Hanggelände (12 ha) am rechten Ufer der Donau. Das Naturschutzgebiet gehört teilweise zu Pentling und teilweise (nördlich der A 3) zu Regensburg. Seltene Pflanzen, u.a. aus dem westasiatischen Steppenraum, haben hier ein Rückzugsgebiet gefunden, ähnlich wie im Gebiet des Alpinen Steiges bei Schönhofen. Seit 1939 ist das Gelände eines der ältesten Naturschutzgebiete Bayerns. Der Fürstliche Oberbaurat Max Schultze (1845 – 1926) erwarb aus eigenen Mitteln das Gebiet mit den Felspartien zwischen Hoppefelsen und Prüfening und bewahrte es somit vor der Zerstörung durch den Kalkabbau. 1912 schenkte der gebürtige Partenkirchener den Grund der Stadt Regensburg. Beeindruckend sind über 20 markante Felstürme aus Kalkstein mit teilweise über 20 Metern Höhe sowie 30 kleinere Höhlen. – Eine Felsenformation wurde als Schwalbennest (1811) bezeichnet. Das Kloster St. Emmeram besaß im 14. Jahrhundert am dortigen Steilufer der Donau sechs Weinberge. 1922 wurde eine Ausflugsgaststätte errichtet, die den gleichen Namen trug.

Felsengrotte direkt am Schwalbennest

„Urfahr“ – Grottenkapelle – Schutzfelsen/Hoppefelsen – Schwalbennest

Beim Schwalbennest verlassen wir den Donau-Panoramaweg und gehen auf dem Sinzinger Weg (vermutlich eine Altstraße aus der Römerzeit) zur Donau hinab zur Mattinger Straße bzw. dem Donau-Radweg. Nach wenigen Metern südwärts sehen wir zur Linken die Grottenkapelle „Christus an der Gei- selsäule“ aus dem 18. Jahrhundert. Die Heiligenfiguren, die früher in den drei Nischen darüber standen, sind leider entwendet worden. – Von hier fuhr von 1145 bis 1966 die Fähre nach Sinzing, genannt „Sinzinger Urfahr“ (Urfahr = Überfahrt). Über sie führte bis ins Jahr 1485 ein Handelsweg von Regensburg durch das Tal der Schwarzen Laber nach Nürnberg. – Nicht weit entfernt davon ist der Schutzfelsen bzw. Hoppefelsen. David Heinrich Hoppe (1760 – 1846) stammte aus Vilsen (südlich von Bremen) und wohnte und arbeitete seit 1785 in Regensburg, zunächst als Apotheker, dann als Arzt, zuletzt als Professor für Botanik am Lyzeum (Vorgängerin der Philosophisch-theologischen Hochschule). 1789 fand er bei einem Unwetter Schutz unter diesem Felsen (daher die beiden Namen). 1790 gründete er hier mit Freunden die Erste Botanische Gesellschaft der Welt (Botanik = Pflanzenkunde), die auch heute noch forschend tätig ist. Eine Inschrift in Französisch (es war damals die Sprache der europäischen Gelehr- ten) berichtet davon. Der Hoppefelsen gehört heute zu den hundert ausgezeichneten Geotopen (erdgeschichtliche Gebilde) in Bayern. Es trifft hier der Übergang vom Jura zur Kreidezeit (vor 145 Mio. Jahren) zusammen. In Geologenkreisen weltweit bekannt sind die Pentlinger „Schutzfelsschichten“ (d.h. Sedimente, die beim Vordringen des Kreidemeeres in Jura-Dolinen abgelagert wurden). Vom Hoppefelsen gehen wir stromabwärts und sind nach wenigen Metern im Schwalbennest.

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