Der Donau-Limes bei Matting und Pentling
Weltkulturerbe
Die UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur) hat am 30. Juli 2021 den Donaulimes, den Teil der Grenze des antiken Römischen Reiches in Bayern, Österreich und der Slowakei, als neues Welterbe ausgezeichnet. In seinem bayerischen Abschnitt erstreckt sich der „nasse Limes“ von Eining (Landkreis Kelheim) über Regensburg und Straubing bis nach Passau. In der Gemeinde Pentling sind davon die Ortsteile Matting, Unterirading, Weichslmühle und Schwalbennest betroffen.
Zweck des Limes
Das lateinische Wort „limes“ bezeichnet eine „quergehende Bahn“, wie z.B. einen Feldrain oder eine Waldschneise. Es war nicht das vordergründige Ziel der Römer, einen unüberwindbaren Schutzwall anzulegen. Der Limes sollte vielmehr eine deutliche Abgrenzung zwischen der zivilisierten römischen Welt und dem nichtrömischen Ausland darstellen. Hie und da gab es auch militärische Auseinandersetzungen zwischen Römern und „Barbaren“; dabei zeigte sich (vor allem ab dem dritten Jahrhundert n.Ch.), dass die Grenzanlagen für die Abwehr größerer feindlicher Angriffe bei weitem nicht geeignet waren. Aber der Limes trennte nicht nur, er verband auch ganz unterschiedliche Welten miteinander. So war er ein Ort des Handels und des kulturellen Austausches. Seine Aufgabe war, den Personen- und Warenverkehr zu kontrollieren, Zölle zu erheben und landwirtschaftlich genutzte Gebiete zu sichern.
Obergermanisch-Rätischer Limes, der „trockene“ Limes
Die einstige Landgrenze des Römischen Reiches (Obergermanisch-Rätischer Limes, seit 2005 Weltkulturerbe) erstreckt sich über 550 km zwischen Rheinbrohl (Rheinland-Pfalz) und Hienheim (Neustadt/Donau, KEH). Im Anfang waren es im obergermanischen Teil nur Palisadenwände, die dann gegen Ende des 2. Jahrhunderts n.Ch. durch einen Wall mit vorgelagertem Graben verstärkt wurden. Im rätischen Teil (zwischen dem Limesknie bei Lorch/Württemberg und Hienheim) wurde eine bis zu drei Meter hohe Steinmauer errichtet. Der Schuttwall dieser „Teufelsmauer“ (so die volkstümliche Bezeichnung) ist heute noch an manchen Stellen im Gelände gut zu erkennen.
Donaulimes, der „nasse“ Limes
Über 450 Jahre bildete die Donau (lateinisch „Danubius“) als „nasser“ Limes die Nordgrenze des römischen Reiches. Der Strom war in der Antike nicht so kanalisiert und gezähmt wie heute. Er wies versumpfte und verästelte Ufer auf, so dass er nur mit großen Schwierigkeiten zu überwinden war. Daher brauchte man ab Eining keine Grenzwälle mehr, sondern man konnte sich auf Wachtürme („burgi“), Kohorten- und Kleinkastelle sowie größere Militärlager (z.B. Castra Regina – Regensburg) beschränken, die alle durch eine Straße verbunden waren. So finden sich an der rechten Flussseite auf einer Strecke von 600 Kilometern zwischen Eining und Iža in der Slowakei zahlreiche Spuren von Wachtürmen, Lagern und zivilen Siedlungen. Das nördliche Donauufer war für die Römer jedoch kein Feindesland. Wahrscheinlich wurden damals schon die Hänge von Winzern genutzt. Wir haben zwar keine konkreten Nachweise für den Weinanbau durch die Römer im Regensburger Raum, aber archäologische Funde am nördlichen Ufer und die Tatsache, dass St. Emmeram um 650 die Gegend „wohlversehen mit Wein“ vorgefunden hat, weisen auf diese Möglichkeit hin. Insbesondere der Ortsname „Winzer“ („ad vinitores“ – bei den Winzern) ist römischen Ursprungs.
Limesbegleitweg, Donausüdstraße
Entlang des „nassen Limes“ wurde eine Militär- und Fernstraße bis zum Donaudelta, die Donausüdstraße, gebaut („Via iuxta Danuvium“, ab Belgrad „Via Istrum“), die die einzelnen Stationen, Kastelle und Festungen verband. Die heutige Straßenführung rechts der Donau von Oberndorf (Donaustraße) über Matting (Wolfgangstraße), vorbei an Unterirading, Weichslmühle und Schwalbennest bis nach Großprüfening (Mattinger Straße) dürfte also ihren Ursprung in römischer Zeit haben.
Wachtürme – Burgi
Zur Sicherung der Nordgrenze des römischen Reiches wurden ab Eining donauabwärts in Sichtweite Wachtürme („burgi“) errichtet. Derartige Aussichtspunkte waren mit einem Palisadenwall umgeben. Auf Grund eines Reliefs an der Trajanssäule in Rom (113 n.Ch.) können wir das Aussehen derartiger Wachtürme recht gut rekonstruieren. Die Türme dürften ein Steinfundament gehabt haben, wahrscheinlich sind sie überhaupt aus Naturstein gebaut worden; denkbar ist aber auch eine Holzkonstruktion für die oberen Stockwerke. Die Gesamthöhe betrug ca. 10 m; über dem Erdgeschoß waren noch zwei weitere Stockwerke. Das Obergeschoß dürfte eine umlaufende Außengalerie gehabt haben. Bei Kelheim, in Untersaal, in Alkofen (Kleinkastell), auf der Oberndorfer Höhe („Burgus Hanselberg“), oberhalb der „Walba“ und bei Großprüfening gegenüber der Naabmündung wurden Reste solcher Beobachtungs- und Wachtürme gefunden. Vermutet werden auch „Burgi“ auf dem Ringberg, in Bad Abbach und an der Weichslmühle. Von diesen Wachtürmen aus konnte man die Donau überschauen und gegebenenfalls verdächtige Bewegungen auf der anderen Seite des Flusses rechtzeitig erkennen. Zwischen den einzelnen Posten mussten Verständigungsmöglichkeiten optisch durch Feuer, Rauch, Flaggen oder Spiegel bzw. akustisch durch Blasinstrumente möglich sein. Nach eingehenden Forschungen fand der Regensburger Historiker Joseph Schuegraf (1790 – 1861) nordöstlich von Unterirading in der Flur „Schlössl“ Reste eines Wachturms, der heute in Fachkreisen als „Burgus Schlössl“ bzw. „Burgus Römerschanze“ geführt wird. – In jüngster Zeit sind jedoch auch Zweifel aufgetreten, ob es sich bei diesem Fund wirklich um Turmreste aus der Römerzeit handelt. Denn die Anlage unterscheidet sich durch ihre runde Form grundlegend von einem römischen Burgus. Einige Forscher gehen davon aus, dass diese Anlage mit Beobachtungs- und Kontrollfunktion aus dem Hochmittelalter (14. Jahrhundert) stammen könnte. Das eine schließt aber das andere nicht aus. Denkbar wäre, dass am ehemaligen Standort des römischen Burgus im Mittelalter eine Turmhügelburg mit rundem Grundriss errichtet wurde.
Patrouillenschiffe – „Naves lusoriae“
Für Patrouillenfahrten auf der Donau wurden von den Römern „naves lusoriae“ (wörtlich: tänzelnde Schiffe), also kleine, schnittige, wendige Militärschiffe eingesetzt. Es waren gut 20 m lange und knapp 3 m breite flachgehende Ruder- boote mit ungefähr 30 Mann Besatzung. Mit derartigen Booten konnten auch seichte und unübersichtliche Flussbereiche befahren werden. Stand der Wind günstig, war es auch möglich, ein Segel zu setzen. Am Lehrstuhl für Alte Geschichte der Universität Regensburg wurde 2004 im Rahmen eines For- schungsprojekts eine „Lusoria“ mit Namen „Regina“ nachgebaut, die seither einerseits der experimentellen Archäologie, andererseits aber auch der motivierenden Bereicherung des Geschichtsunterrichts dient.
Bericht: Hans Weigert, Ortsheimatpfleger
Quelle: Pentlinger Mitteilungsblatt Ausgabe 09/2021
